Noch lange nicht am Ziel

Mann und Frau sind vor dem Gesetz gleich? Ja, aber es ist noch nicht so lange her, da verfügte die Schweiz noch über kein aktives und passives Wahlrecht der Frauen und auch das bis 1988 gültige Eherecht hatte die Frauen bei Scheidung güterrechtlich benachteiligt. Erst aus dem Jahr 1995 stammt das Gleichstellungsgesetz, das unter anderem gleichen Lohn für gleiche Arbeit statuiert. Es ist beschämend, wie lange es brauchte, um Selbstverständlichkeiten in der Rechtsordnung festzulegen. Ist jetzt alles besser? Vieles, aber nicht alles. Wir sind beispielsweise noch weit davon entfernt , dass Frauen gleich wie Männer entlöhnt werden. Hier braucht es griffige Massnahmen, damit Frauen nicht einfach auf den sehr teuren Klageweg verwiesen sind. Es ist Lohntransparenz zu schaffen. Gleichzeitig sind auch die Führungspositionen auf andere Art und Weise und ausgewogen nach Geschlechtern zu besetzen. Was in den Kulturen der nordischen Länder selbstverständlich ist, soll auch bei uns zur Tagesordnung werden. Die Sache hat aber noch ein paar zusätzliche Haken. Ohne eine wirksame Organisation und Finanzierung von familienergänzenden Betreuungsleistungen sowie angemessene Vaterschafts- und Mutterschaftsurlaube wird das nicht möglich sein. Die Bereitstellung von Kindertagesstätten und die Finanzierung von Urlauben soll gesetzlich als staatliche Aufgabe klar gefasst und umschrieben werden. Leider scheiterte eine Verfassungsgrundlage auf Bundesebene in der Volksabstimmung vom 3. März 2013 trotz Volksmehr nur am Ständemehr. Das ist kein Grund, um nicht weiterhin daran zu arbeiten. Gleichzeitig ist von einkommensabhängigen Tarifen der Betreuungseinrichtungen Abstand zu nehmen. Wirtschaft und Gesellschaft sind darauf angewiesen, dass die Erwerbsquote von Frauen erhöht wird. Nicht zuletzt der Fachkräftemangel ruft danach. Wenn Steuern und Krippenkosten den Zusatzverdienst von Zweiverdienerpaaren auffrisst, dann wird diese wünschbare Entwicklung behindert.