Eine Frage des Masses

Grusswort an der Delegiertenversammlung des Blauen Kreuzes vom 20. Juni 2015 in Solothurn

Ich begrüsse Sie herzlich hier im Kanton Solothurn und bedanke mich bei den Veranstalterinnen und Veranstaltern genau so herzlich für die Einladung an die Nachmittagsveranstaltung Ihrer diesjährigen Delegiertenversammlung. Ich weiss nicht, ob Sie vorher genau abgeklärt haben, ob ich für ein Grusswort in Ihrem Kreis auch wirklich etwas tauge. Jedenfalls haben Sie ein Risiko auf sich genommen. Politikerinnen und Politiker sind ja speziell suchtgefährdet, weil sie an Unmengen von Anlässen grosszügig bewirtet werden. Ich muss Ihnen ganz ehrlich gestehen, ich tauge nicht zur Abstinenz. Ein gutes Glas Wein zu einem gutem Essen schätze ich dafür zu sehr. Dafür ist Ihr Präsident, Nationalrat Philipp Hadorn absolut fehlerfrei. Auch wenn wir nach der Geschäftsleitungssitzung der SP Kanton Solothurn jeweils noch im Vini al Grappolo einkehren, das ist gleich um die Ecke, verzichtet er darauf, ein Glas Wein zu trinken. Wie hart das für ihn ist, weiss ich allerdings nicht. Es kann aber auch sein, dass er sowieso lieber Mineralwasser trinkt.
In der Gesellschaft ist ja selten alles schwarz oder alles weiss. Es ist jeweils mehr eine Frage des Masses. Der Kanton Solothurn hat gestützt auf das Leitbild und Konzept Suchthilfe 2007, den entsprechenden RRB im Jahr 2009, das Positionspapier 2009 und das Nationale Programm Alkohol 2008-2012 schwergewichtig Präventionsmassnahmen ergriffen. Mit dem Blauen Kreuz wurde eine Leistungsvereinbarung für die Jahre 2012 – 2015 abgeschlossen, die durch den Alkoholzehntel des Bundes finanziert wird und deren Auswertung gerade jetzt auf dem departementsinternen und dem politischen Prüfstand ist. Die Reporting-Gespräche haben bereits stattgefunden. Ich verrate also kein Geheimnis, wenn ich heute sage, dass die Leistungen mehrheitlich erfüllt wurden und meine Leute im Amt für Soziale Sicherheit mit Ihrer Arbeit zufrieden sind. Was kommt, sind Verhandlungen über eine neue Leistungsvereinbarung für die nächsten vier Jahre. Da hat der politische Prozess noch nicht begonnen. Ich gehe aber davon aus, dass die bisherigen guten Erfahrungen in die Beurteilung einfliessen werden. Ein ganz zentraler Punkt ist für uns dabei der Jugendschutz, Ihrem Thema heute Nachmittag. Bei der Ü50, zu der ich gehöre, ist es vermutlich eher schwieriger noch etwas zu bewirken, währendem Jugendliche und junge Erwachsene mit Aufklärungsarbeit noch viel dazulernen können.
Ich wünsche Ihrer Organisation weiterhin alles Gute. Ich freue mich darüber, dass Sie nach Solothurn gekommen sind, einer der schönsten Städte in der Schweiz. Das muss ich so sagen. Ich komme schliesslich aus Olten. Die meisten fahren dort zwar nur vorbei und lesen ab und zu über Olten schlimme Geschichten. Ich kann Ihnen versichern: Die sind meistens nicht wahr und auch dort lohnt es sich, mal reinzuschauen.
Ich wünsche Ihnen noch eine angenehme und spannende Tagung.