Gegen eine bessere Kriminalstatistik habe ich nichts

Ansprache an der Brevetierungsfeier der Polizeianwärterinnen und –anwärter vom 30. März 2015 in Solothurn

Wir haben es letzte Woche über alle Medienkanäle sehen, hören und lesen können. Die Kriminalität in der Schweiz ist insgesamt zurückgegangen. Auch in unserem Kanton. So, wie letztes Jahr auch schon. Das gibt mir für heute die Gelegenheit, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kantonspolizei für ihre Arbeit ein dickes Lob auszusprechen. Gleichzeitig können Sie aber auch sicher sein, dass ich das nicht nur bei schönem Wetter tue, sondern auch dann, wenn die Statistik mal nicht stimmt. Dann ist nämlich meistens der Aufwand am grössten, um in die Nähe der formulierten Zielsetzungen zu kommen. Etwas Lob, das zur täglichen Arbeit motiviert, ist gerade in anspruchsvollen Zeiten besonders nötig. Nicht etwa noch eins auf den Deckel geben, wenn’s nicht rund läuft, sondern kritisches, aber gleichzeitig wohlwollend unterstützendes Handeln ist dann gefragt. Ich weiss auch, dass Ihre Vorgesetzten als Führungspersönlichkeiten genauso verfahren. Sie kommen also in ein gutes Korps mit einem tollen Korpsgeist.
Wir hoffen selbstverständlich auch, dass Sie dem Korps möglichst lange erhalten bleiben. In den letzten Jahren nehmen an den Dienstjubiläen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kantons Solothurn, die 25 Jahre beim Kanton sind, regelmässig Polizisten teil. Polizistinnen sind es noch fast keine gewesen, die ich dort gesehen habe. Ab und zu zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich freue mich aber, wenn das in Zukunft mehr sein werden. Und das ist ja anzunehmen, nachdem die Ausbildungslehrgänge vermehrt gemischt beschickt werden.
Apropos Dienstjubiläum: Letzten Dienstag hat eine zivile Mitarbeiterin daran teilgenommen, die mir erzählt hat, dass es ihrem Lebenspartner, der Polizist ist, noch heute peinlich sei, dass er mich bei unserem ersten Zusammentreffen – das war im Jahr 2006 - gleich geduzt hat. Nun, - ich habe ihm das nie übel genommen. Wie hätte ich das auch sollen. Regierungsräte sehen nach dem Sport und dem Duschen im Umziehraum nicht anders aus, als Polizisten. Mir hat das im Gegenteil etwas Anderes gezeigt: Innerhalb des Korps wird kein allzu förmlicher, sondern ein direkter, menschlicher Umgang gepflegt. Künstliche Hürden bestehen keine. Man spricht miteinander. Alles andere wäre auch sehr unpraktisch. Man müsste nämlich die Gradabzeichen unter die Dusche mitnehmen. Bei mir würde das nicht einmal etwas bringen. Ich habe nämlich keine. Trotzdem kann man problemlos auch so respektvoll miteinander umgehen.
Die Art und Weise, wie der Umgang in unserem Korps gepflegt wird, spiegelt sich auch im Kontakt mit der Bevölkerung. Die Uniform soll zwar Respekt verschaffen. Trotzdem versteht sich jede Korpsangehörige und jeder Korpsangehöriger auch als Dienstleisterin, als Dienstleister an der Gesellschaft. Die Polizei muss bürgerinnen- und bürgernah sein, damit gegenseitiges Vertrauen da ist. Das Gesicht, das Sie auf der Strasse zeigen, ist die Visitenkarte für die Kantonspolizei und damit auch für den Kanton.
Ich weiss, dass man nicht immer dazu aufgelegt ist, freundlich zu lächeln. Es gibt ja allerlei Kundschaft, mit der Sie sich abgeben müssen. Trotzdem, sich provozieren lassen, ist die schlechteste aller denkbaren Verhaltensweisen. Es gibt da eine alte Weisheit: Der Zornige hat nie recht. Das ist überall so, auch in der Politik. Manche stehen fast Schlange, um mitzubekommen, dass ein Regierungsmitglied die Nerven verliert. Wir versuchen natürlich mit aller Kraft dagegen zu halten und tun alles nur Erdenkliche, um das zu vermeiden. Ich habe im Büro zum Beispiel eine Wand, mit der ich manchmal heftig ins Gebet gehe. Die hat zwei Vorteile: Sie ist so dick, dass mich niemand hört, und, sie gibt keine Antwort. Das ist in solchen Momenten auch nicht nötig. Also suchen Sie sich im Ernstfall auch so eine Wand, oder irgendetwas Anderes.
Vielleicht lassen Sie ausnahmsweise Ihren Ärger beim Kollegen oder bei der Kollegin ab, wenn sonst grad nichts Passendes zur Verfügung steht. Aber gewähren Sie dann auch Gegenrecht, wenn’s umgekehrt nötig ist.
Bei all dem, was Sie tun, können Sie sicher sein, dass der grosse Anteil der Bevölkerung, mit dem Sie nie etwas zu tun haben werden, Ihre Arbeit schätzen. Die Polizei steht für den Rechtsstaat. Einen funktionierenden Rechtsstaat braucht es. Er ist eines der wichtigsten Fundamente einer demokratischen Gesellschaft.
Ich wünsche Ihnen allen für die Zukunft alles Gute. Und wenn Sie mithelfen, dass die Kriminalstatistik nächstes Jahr noch etwas besser aussieht, dann habe ich nichts dagegen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Befriedigung in Ihrer neuen Tätigkeit und heisse Sie auch von meiner Seite im Korps der Kantonspolizei herzlich willkommen