Rauchzeichen

Grusswort an der 111. Jahresversammlung der Lungenliga Solothurn vom 25. Juni 2015 in Solothurn

Ich bedanke mich herzlich für die Einladung zu Ihrer Jubiläumsgeneralversammlung. Warum man 111 Jahre feiert, ist nicht auf den ersten Blick klar. Vielleicht, weil es eine schöne Schnapszahl ist? Vielleicht wegen der besonderen Affinität der Solothurnerinnen und Solothurner zur Zahl 11? Vielleicht aber auch nur deswegen, weil es zwischen dem 100sten und dem 125sten zu lange dauert, damit ein Maximum an Leuten zwei Mal feiern können. Die Regierung haben Sie damit jedoch in eine Zwickmühle gebracht. Wir kommen nach unseren Repräsentationsrichtlinien obligatorisch zum 100sten, vorausgesetzt, man lädt uns ein, - danach zu jedem weiteren Vierteljahrhundert. Zum 111ten ist nichts im Reglement gestanden. Ich habe es vermieden, darüber eine Grundsatzdebatte im Gesamtregierungsrat zu führen. Womöglich wäre man dann zum Schluss gekommen, eine Teilnahme meinerseits zum 111ten käme reglementarisch nicht in Frage, weil sonst alle anderen Organisationen dies für sich auch reklamieren könnten.
Meine Generation ist im Leben unausweichlich mit der Lungenliga in Kontakt gekommen. Bei mir ist es ein erstes Mal im Schirmbildwagen an der Primarschule in Trimbach gewesen. Wir haben uns in Reih und Glied auf dem Pausenplatz des Mühlemattschulhauses aufstellen und einige Zeit anstehen müssen. Es ist Winter und kalt gewesen. Die Jacke haben wir im Schulzimmer lassen müssen und ziemlich gefroren. Wir haben gedacht, das müsse so sein, damit man nachher auf dem Bild auch etwas sieht. Das ist dann nicht der Fall gewesen und darüber sind alle froh gewesen.
Danach haben wir ein bisschen aneinander vorbeigelebt. Ich bin 2005 Regierungsrat geworden und habe meine ehemalige Anwaltskanzlei an der Dornacherstrasse 10 in Olten verlassen. Demgegenüber hat die Lungenliga eines ihrer Bürozelte kurz danach dort im gleichen Gebäude aufgeschlagen. Man hat sich also verpasst.
Unsere Beziehung ist erst im Jahr 2006, mehr als 40 Jahre nach der Schirmbildaktion, wieder aufgefrischt worden. Es ist um den Schutz vor Passivrauchen gegangen. Ich habe damals eine Vorlage mit Varianten ausarbeiten lassen, eine mit Rauchverbot nur in öffentlichen Gebäuden und eine auch in Restaurants, mit bedienten Fumoirs. Das gab dann eine besondere Situation. Ich plaudere jetzt ein bisschen aus der Schule. Teile des Kollegiums sind für die eine oder andere Variante gewesen. Ein vermutlich grösserer Teil davon für die Variante mit Einschränkungen nur für öffentliche Gebäude. Ein vermutlich ebenfalls nicht genügend grosser Teil des Parlamentes ist für die Variante gewesen, wie sie schliesslich vom Volk angenommen worden ist. Die Lungenliga hätte sogar gerne eine noch striktere Regelung mit unbedienten Fumoirs gehabt. Ich bin mir sicher gewesen, dass es mit der von mir bevorzugten Variante, aber nur in einer Variantenabstimmung gut kommt. Meine Regierungskollegen sind sich sicher gewesen, dass es anders kommt. Die Lungenliga ist sich nicht sicher gewesen. Die Lungenliga hat sich dann aber eingeklinkt und die Vorlage mit der Variantenabstimmung über ihre parlamentarischen Vertretungen unterstützt. Seit dem Resultat der Volksabstimmung ist die Beziehung zwischen Lungenliga und mir, wie soll ich es sagen, entspannter Natur. Man muss schon fast wieder schauen, dass die ordentliche Distanz gewahrt ist, die sich für einen Verband und einen Regierungsrat gehört. Das Abstimmungsresultat hat aber mindestens ein Nachspiel gehabt. Meine Regierungskollegen haben mir das heimgezahlt und mich regelmässig im Keller des Rathauses mit Zigarren oder Zigaretten eingedampft. Das hat auch nicht aufgehört, nachdem die Fasnachtszeitungen darüber geschrieben haben. Das Fumoir im Rathaus ist dann mit Mehrheitsbeschluss quasi zum republikanischen Widerstandsnest geworden. Mit der Besonderheit, dass sich für einmal nicht das Volk gegen die Oberen, sondern Obere sich gegen das Volk gewehrt haben.
Da sich die Solothurner Bevölkerung aber gewohnt ist, mit Minderheiten umzugehen, auch wenn es der grössere Teil der Regierung ist, hatte das nicht wirklich Konsequenzen. Ich muss Ihnen aber auch gestehen, dass ich gelegentlich im Leben auch einen Stengel angezündet habe, weil ich nicht immer alles so ganz schwarz und weiss sehe. Heute sind die Einschränkungen eine Selbstverständlichkeit. Ich glaube sagen zu können, der weitaus grösste Teil der Bevölkerung, inklusive Regierung, und inklusive Raucherinnen und Raucher, wollen den alten Zustand nicht mehr zurück haben.
Die Lungenliga nimmt viele wichtige präventive, beratende und unterstützende Tätigkeiten wahr. Sie ist in der Gesellschaft mit ihrer Aufgabe fest verankert. Das zeigt auch, dass heute viele Patientinnen und Patienten anwesend sind, die ein Lungenleiden haben und um Ihre Dienstleistungen sehr froh sind. Ich wünsche Ihrer Organisation für die Zukunft alles Gute. Allen, die sich für diesen guten Zweck engagieren, überbringe ich den Dank und die Grüsse der Regierung. Machen Sie weiter so. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.