Sparschwein

Ansprache an den 19. Oltner Tanztagen 19. November 2014

Ich freue mich sehr, Ihnen die Grüsse der Solothurner Regierung zur Eröffnung der 19. Oltner Tanztage zu überbringen. Wie jedes Jahr werden die Besucherinnen und Besucher mit einem attraktiven Programm beglückt.
Lange hat ja in der Stadt Olten der Tanz um das goldene Kalb stattgefunden. Die Alpiq hat Jahr für Jahr Millionen in die Stadtkasse gespült. Übrigens auch in die Kasse des Kantons Solothurn. Dazu hat sie über Jahrzehnte mal mehr, mal weniger grosszügig Kulturveranstaltungen mitfinanziert. So auch diese. Damit ist vorläufig Schluss. Alle hoffen natürlich, dass es wieder besser kommt. Aber gerade jetzt ist alles ein wenig anders.
Die Millionen fehlen. Darum werden viele vom Sparschwein heimgesucht. Das hat einen schweren Stand. Die meisten wollen es sofort metzgen, einige möchten vorher noch ein paar Münzen oder Scheine reinwerfen. Den Oltner Stadtrat beneide ich in dieser Situation überhaupt nicht. Wer schon einmal in seinem Leben versucht hat, Schweine zu treiben, der weiss, wie schwierig das ist. Die machen nämlich, was sie wollen. Sie rennen in alle Richtungen davon und wollen nie dorthin, wo man selbst mit ihnen hin möchte. Schweine tanzen aus der Reihe. Darum muss man sich vorher gut überlegen, ob man sie überhaupt aus dem Stall lassen will. Vielleicht habt Ihr aber auch einfach Schwein und es kommt am Ende alles gut.
Das Mitgefühl kommt natürlich auch von daher, dass auch wir im Kanton zwei Massnahmenpakte zu schnüren hatten, die jetzt in der Umsetzung sind. Nicht in allem, was wir haben vorschlagen müssen, lag Begeisterung drin. Was wir aber sicher wollen, ist, dass der Handlungsspielraum zurückkommt, den wir brauchen, um wieder gestalten zu können. Und zwar möglichst rasch.
Für den Kulturbereich stehen gottseidank auch Mittel aus dem Lotteriefonds zur Verfügung. Wir versuchen, darüber auch einige Härten abzufangen. So auch in Olten. Wir führen dazu seit einiger Zeit Gespräche mit den Verantwortlichen der Stadt zur Linderung der Nöte. Als Zuständiger für Soziales im Kanton kann ich ja auch gar nicht anders. In der Politik gibt aber auch ein tief verankertes Bewusstsein darüber, dass jeder Franken, der in gemeinnützige und freiwillige Arbeit investiert wird, in der Regel Arbeit für drei Franken gratis und franko generiert. Das Mitwirken der Zivilgesellschaft ist gerade auch im Kulturbereich unersetzlich, wenn Kunst und Kultur bereichernd wirken sollen und sich gleichzeitig die notwendige unabhängige, bisweilen kritische Sicht auf die gesellschaftlichen Vorgänge erhalten wollen.
Wir freuen uns deshalb darüber, dass es die Tanztage schon so lange gibt und noch lange geben wird. Wir bedanken uns bei den Verantwortlichen für ihr Engagement. Ebenso freuen wir uns, dass der Verein Tanz in Olten an der diesjährigen Verleihung der Kunst- und Kulturpreise mit dem Anerkennungspreis bedacht worden ist. Das ist mehr als verdient und schon lange fällig gewesen.
Ich wünsche allen einen genussvollen Abend.