Vernetzt arbeiten

Grusswort zum Jubiläum „25 Jahre Alterszentrum am Weinberg“ vom 3. September 2016 in Grenchen

Das Alterszentrum am Weinberg, als Teil der Stiftung Alterssiedlung Grenchen feiert seinen 25. Geburtstag mit einem Fest. Wenn ich das Programm anschaue, dann wird für jung und alt etwas geboten. Das soll auch so sein. Feste soll man feiern, wenn sie fallen.
In den vergangenen Jahren haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Altersbereich stark geändert. Seniorinnen und Senioren bleiben möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden. Neben Angehörigen übernimmt die Spitex vor Ort Pflege und Betreuung. Meistens wechselt man erst dann ins Heim, wenn‘s nicht mehr geht. Die Altersheime sind deshalb mehr Pflegeheime geworden. Und doch müssen die Stossrichtungen der Alterspolitik die gleichen bleiben. Seniorinnen und Senioren sollen möglichst selbständig handeln können, sie sollen Wahlfreiheit bezüglich der Institution haben, in die sie eintreten wollen; solidarisches Handeln zwischen den Generationen soll eine Selbstverständlichkeit bleiben, und auch Gesundheitsförderung und Prävention sollen ihren Stellenwert bekommen. Ganz wichtig ist aus unserer Sicht auch, dass die Akteurinnen und Akteure im Bereich der Gesundheits- und Betreuungsdienstleistungen im Alter nicht alle für sich allein agieren, sondern bereit sind, sich zu vernetzen. Dies betrifft die Spitäler ebenso, wie die Ärztinnen und Ärzte, die Spitex, Palliativ-Care-Einrichtungen und die Angehörigen. Alle Beteiligten, Gemeinden und Kanton, sind gefordert, diese Zusammenarbeit zu ermöglichen, damit auch der sogenannte vierte Lebensabschnitt in Würde stattfinden kann. Um einen Aspekt herauszugreifen: Ganz aktuell führen wir auf Stufe Regierung und Parlament, aber auch unter Einbezug der Gemeinden eine Diskussion über die Subventionierung von Tagesstätten. Die vorberatende Kommission hat grünes Licht für den Gegenvorschlag der Regierung zur Tagesstätteninitiative gegeben. Die Regierung selbst hat eine Unterstützung derselben bereits in der Pflegeheimplanung 2020 planerisch festgelegt. Das Kantonsparlament hatte dies auch abgesegnet. Als es vor zwei Jahren dann um die Wurst ging, ist das Thema aber vorerst aufs Eis gelegt worden. Das hat zur Einreichung einer Volksinitiative geführt. Ob es jetzt gut kommt, weiss ich noch nicht, aber hoffen darf man. Der Kanton finanziert zur Zeit auch ein Pilotprojekt im Bereich „palliative-care“. Nachdem die Palliativ-Stationen in der soH aufgebaut worden sind, geht es nun darum, den letzten Weg auch in Würde ausserhalb des Spitals, zuhause, aber auch in Pflegeheimen gehen zu können. Vorerst geht es um einige wenige Betten. Wir werten dann die Ergebnisse aus. Im Bereich der Tarifgestaltung der Pflege im Heim hat die Regierung die angekündigte und von den Heimen sehnlichst erwartete Neukalibrierung nun tariflich umgesetzt und damit auch auf die Demenzproblematik geantwortet. Leider bekämpfen zwei grosse Krankenversicherungen diese Neukalibrierung. Wir führen derzeit Gespräche und meinen, dass sie vernünftigerweise einlenken sollten. Entgegen allen Behauptungen ist ihnen das Modell vor Erlass des Regierungsratsbeschlusses vorgestellt worden. Wir hoffen der Streit kann im Interesse der Bewohnerinnen und Bewohner vermieden werden. Sachlich gibt es ohnehin keinen vernünftigen Grund dagegen anzugehen. Es ist aber durchaus ein Zeichen dafür, dass die Zeiten etwas rauer geworden sind. Trotzdem schreiten wir unbeeindruckt weiter. Wir bereiten zur Zeit zusammen mit allen Beteiligten das Geschäft der Ausbildungsverpflichtung vor. Bitte nicht erschrecken. Wir orientieren uns am Modell, das der Branchenverband, die SOdAS ausgearbeitet hat, und werden die einvernehmlich erarbeiteten Reglemente für verbindlich erklären. Die Heime werden damit keine Probleme haben. Allerdings müssen sich die Spitex und die Privatspitäler etwas „roden“.
Es gibt auch keinen Grund, für die Zukunft nicht zuversichtlich zu sein. Die demografische Entwicklung wird uns zwar stark beschäftigen. Überall, nicht nur in der Alterspolitik. Ich bin trotzdem überzeugt, dass sich auch die Heimlandschaft in den nächsten 25 Jahren, wenn dann die „Babyboomer“ langsam aber sicher ins Heimeintrittsalter kommen, nochmals stark verändern wird. Zu dieser Generation gehören auch Kurt Boner und ich. Da er einen gesünderen Lebenswandel hat als ich, wird es uns wohl gleichzeitig treffen, obwohl ich etwas jünger bin. Wir sind aber auch zuversichtlich, dass uns beiden noch ein bisschen Zeit bleibt, bevor wir ernsthaft über einen Heimeintritt nachdenken müssen. Ich muss Sie allerdings auch warnen. Kurt will mit Bestimmtheit 100 Jahre alt werden. Und sei es nur darum, dass die Regierung bei ihm persönlich vorbeikommt und ihm ausdrücklich zu dem gratuliert, was er geleistet hat. Das hätte er auch verdient. Die Pflegeheime, die Gesellschaft und die Politik hat noch etwas Zeit, um die richtigen Antworten mit neuen Angebotsformen zu geben. Eines ist aber sicher: Institutionen, die schon heute vernetzt denken und sich auch so über den ambulanten und stationären Bereich hinweg organisieren, werden einen wesentlich besseren Stand haben, als solche, die es alleine versuchen. Das gilt vor allem für diejenigen der öffentlichen Hand, die künftig vermehrt in Konkurrenz zu privaten Anbietern stehen werden, ob wir das nun wollen, oder nicht. Das Alterszentrum Weinberg ist Teil eines grossen Ganzen. Das wird sich sicherlich positiv auswirken.
Ich gratuliere den Verantwortlichen im Namen der Regierung zum Jubiläum und danke allen, die sich nach innen und aussen für die Institution engagiert haben und dies auch in Zukunft tun werden. Geniessen Sie den heutigen Tag und seien Sie stolz auf das Erreichte.